Wanderst du auf der Straße von Adelebsen durch das Bärental an Wibbecke vorbei nach Erbsen ("Unter dem Himmel") siehst du linker Hand, östlich vom Stapelberg einen Hang, dessen oberer Teil bewaldet ist. Diese Geländeerhebung wird der „Kükenberg“ genannt.
Über die Herkunft dieses
Namens hat mir mein Großvater das
Nachstehende erzählt:
Am
„Höbel“, so nennt man den westlichen
Verbindungsweg
zwischen der Landstraße nach Göttingen und dem Dorf
Erbsen, soll vor vielen
Jahren ein gewiefter Ackermann, der Name ist mit entfallen, gewohnt
haben. Sein
besonderes Augenmerk richtete er auf sein Vieh. Er hatte davon sehr
viel und
von jeder Art. Sogar bekümmerte er sich um seinen
großen „Tropp“ Hühner, was an
und für sich in den Arbeitsbereich der Bäuerin
gehörte, doch das empfand er
weiter nicht störend. Seine Hühner waren ihm so gut
bekannt, dass er genau
wusste, welches Huhn welches Ei gelegt hatte. Der
größte Teil seiner
Ländereinen befand sich an dem bereits erwähnten
Hange, der sich in westlicher
Richtung hin an das Gehöft anlehnte. Das Federvieh hatte nach
dieser Richtung
hin einen guten Auslauf und suchte sich dort noch das vitaminhaltige
Grünfutter.
Eines Tages bemerkte der Bauer, dass eins seiner Hühner nicht mehr legte. Als sich dieses dann an den folgenden Tagen wiederholte, die Hühner aber abends alle einträchtig nebeneinander auf dem Hühnerwiemen saßen, glaubte er, dass die Legehenne, die seiner Meinung nach das Eierlegen eingestellt hatte, wahrscheinlich krank sei. Er beabsichtige, sie daraufhin am nächsten Tage einmal genauer zu betrachten. Es wurde nichts daraus; denn die Henne war spurlos verschwunden. Weil es sich nun um eine gute Legehenne handelte, begab sich die ganze Belegschaft innerhalb und sogar außerhalb des Gehöftes auf Nachsuche. Das Suchen verlief ergebnislos, und der Knecht meinte, dass ein Fuchs das Huhn geholt habe. Der Ackermann gab sich mit dieser simpelhaften Annahme nicht zufrieden; denn letztlich fehlten in der Nähe des Hofes Federn, welche eine vom Fuchs gerissenen Henne verliert.
Das Ausbleiben oder Verschwinden
des
lieben Federviehs blieb
also rätselhaft. Nachdem nun niemand mehr an die
Rückkehr der
Henne glaubte, kam eine wunderliche Lösung des
Rätsels, die jedermann erfreuen konnte. Die ungeahnte
Überraschung entbot sich
so:
Etwa vier Wochen nach dem Verschwinden der Henne, man war emsig bei der Feldarbeit, kam die Vermisste, gefolgt von einem ansehnlichen „Tropp“ kleiner Küken, vom bewaldeten Teil des Berghanges her direkt auf das Gespann des Bauern zu, der wegen der sommerlichen Hitze eine kurze Verschnaufpause eingelegt hatte. Das Wiedersehen erfreute alle sehr.
Abends im Kruge „Zum düsteren Born“ wurde das erfreuliche Ereignis erzählt und zünftig begossen. Bald wusste jedermann im Dorfe davon, und seither wird die Halde von der der Kükensegen kam, allerorts der „Kükenberg“ genannt.
(Bearbeitung M.Buhre/N.Hille)